Kernposition: Carbfix & CCS im Kontext von „Time to Act“

Das Thema Carbfix & CCS führt gerne zu Diskussionen. Anbei eine Einordnung von uns.

Wir müssen unterscheiden zwischen CCS als Feigenblatt für fossile Energien und CCS als unverzichtbarem Werkzeug für negative Emissionen.
Unsere Haltung im Projekt ist technologieoffen, aber kompromisslos in der Anwendung.

  1. Das „Island-Privileg“: Warum Carbfix anders ist Das Carbfix-Verfahren, das wir in Island sehen, ist der Goldstandard der CO₂-Speicherung, aber es ist ein geologischer Sonderfall.

    • Der Vorteil: Anders als bei klassischem CCS, wo CO₂ als Gas in Hohlräume gepresst wird (mit theoretischem Leckage-Risiko), mineralisiert Carbfix das Gas in Basaltgestein. Es wird innerhalb von zwei Jahren zu Stein. Das ist die sicherste Form der Endlagerung, die wir kennen – physikalisch stabil und dauerhaft.

    • Die Einschränkung: Dieses Verfahren funktioniert exzellent in Island, weil dort Basalt und grüne geothermische Energie im Überfluss vorhanden sind. Es lässt sich nicht einfach 1:1 auf Regionen ohne diese Geologie oder ohne erneuerbaren Energieüberschuss übertragen. Wir präsentieren es als Leuchtturm-Projekt für das Machbare, nicht als Pauschallösung für jedes Kohlekraftwerk weltweit.

  2. Die rote Linie: Restemissionen vs. Weiter-so Wir unterstützen CCS (und speziell Verfahren wie Carbfix) ausschließlich unter zwei Bedingungen:

    • Für Hard-to-Abate“-Sektoren: Es gibt Industrieprozesse (z.B. Zement, Abfallverbrennung), die selbst in einer vollständig elektrifizierten Welt CO₂ ausstoßen. Hier ist CCS Pflicht, nicht Kür.

    • Für Negative Emissionen (DACCS): Um die Klimaziele zu halten, müssen wir bereits emittiertes CO₂ aus der Atmosphäre zurückholen (Direct Air Capture). Das kostet enorm viel Energie und Wasser. Diese Ressourcen dürfen wir nur investieren, um die Atmosphäre zu reinigen – nicht, um den Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle hinauszuzögern.

  3. Unsere Botschaft Technologie darf keine Ausrede für Passivität sein. Carbfix beweist menschlichen Erfindergeist und gibt Hoffnung – genau das, was „Time to Act“ vermitteln will. Aber: Eine Technologie, die CO₂ wieder einfängt, entbindet uns nicht von der Pflicht, es gar nicht erst entstehen zu lassen. Wir feiern die Innovation in Island als Teil der Lösung, solange sie nicht als Alibi für fossile Geschäftsmodelle missbraucht wird.